Eine kurze Historie des Gartens

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Die beiden Grundmerkmale eines Gartens im herkömmlichen Sinne sind zum einen der Anbau von essbaren Nutzpflanzen (Obst, Gemüse), später auch Zierpflanzen und zum anderen die damit verbundene räumliche Abgrenzung, damit ein gewisser Schutz besteht. Demnach konnte sich eine Gartenkultur erst entwickeln als der Mensch sesshaft wurde.
In älteren Zeiten häufig für die eigene Ernährung angelegt, kamen im Laufe der Zeit die religiösen Funktionen des Gartens und letztendlich die Erholungs- und Entspannungsfunktion, sowie die ästhetische Komponente hinzu. In einigen Kulturen nahm und nimmt der Garten eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft ein, es spiegeln sich Werte und Ansichten in der Gartenkunst wider, der Garten nimmt in einigen Kulturen also auch eine repräsentative Funktion ein.
Wir wollen nun eine kleine Geschichtsreise machen von der Vorzeit bis zur Frühen Neuzeit und uns einen groben Überblick zur Geschichte des Gartens verschaffen. Der folgende Text möchte natürlich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, vielmehr soll er die wichtigsten Kulturschritte des Gartenbaus in Kurzform darstellen.




Vorzeit und Antike

Im alten Ägypten findet sich die erste professionelle Form des Gartenbaus, hierbei handelt es sich um vorwiegend um parzellenartige Gemüsegärten. Mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem konnten die tiefer gelegenen und sehr kleinen Abschnitte mit Wasser versorgt werden. Zu damaliger Zeit herrschte in diesem Gebiet noch eine etwas andere Flora als heute. Deswegen verwundert es nicht, dass in einigen Regionen, meist in Nähe der Pharaonenresidenz, großangelegte Obstbaumgärten möglich waren, die der Versorgung dienten, aber auch als Abbild der Schönheit und Macht galten.
Der Gartenbau entwickelte sich rasant, parallel mit dem Weinbau kam es zu Entstehungen von Lustgärten, es bildeten sich Gartenanlagen um die Grabstätten herum und der Palastgarten wurde immer innovativer und pompöser angelegt. Es ist die eigentliche Geburtsstunde des Ziergartens.


Im Orient besaßen die angelegten Gärten weniger eine ernährende als eine praktische Funktion, die Menschen suchten im heißen Klima Abkühlung und Schatten. Viele Blumen oder Gemüsesorten wuchsen schlecht, deshalb griff man zumeist auf Obstbäume zurück.
Die Bewässerung war problematisch und nur in wenigen Gebieten möglich, deswegen ballte sich der Gemüseanbau (z.B.: Zwiebeln, Knoblauch, Salat) meist auf einem Gebiet, hier wurden dann auch die wertvollen und in der ganzen Welt begehrten Gewächse angebaut, die Gewürze und Duftpflanzen (z.B.: Safran, Senf, Koriander).





Bei den Persern findet sich erstmals in größerer Form die Verarbeitung des Gartenthemas. Der Garten hat Einfluss auf die Kunst und Architektur des Reiches, denn Pflanzen, vor allem Blumen, werden Gegenstand von Darstellungen. Somit gelangen auch die Gärten zu bis dato unerreichter Blüte, hier handelt es sich um Ziergärten, die mit Mauern abgetrennt sind, Brunnen werden wichtiger Bestandteil, Blumen werden angepflanzt, hohe Pflanzen und Bäume spenden Schatten. Durch Wasserspiele, Blumendüfte, prächtige Farben wurden die Besucher in eine andere sinnliche Welt.
Komischerweise hatte der Garten beim Kulturvorreiter Griechenland keinen großen Stellenwert, hier waren es zumeist kleine ungepflegte Nutzgärten für den Eigenbedarf, die in den Poleis verbreitet waren, von Ziergärten oder öffentlichen Gartenanlagen ist nicht die Rede. Die Griechen legten ihre Ernährung mehr an Fischerei/Meeresfrüchten, Getreide, Schafen und der Olivenfrucht aus.


Bei den Römern sah dies schon etwas anders aus. Der Garten erfüllt die Funktion der Nahrung und der Zier in ausgewogener Weise (klassische Einteilung bei uns heute). Erstmals wird dem Garten aber eine Art Apothekendienst zugesprochen, im Garten werden Pflanzen für die Heilung angelegt. Zwar gab es vorher bereits Beispiele der Pflanzenheilkunst, allerdings erreicht der gezielte Anbau im Garten einen neuen Kultivierungsgrad. Dies ist der Anfang einer Entwicklung, die im Mittelalter ihren Höhepunkt erfahren sollte.
In späterer Zeit wurden die Gärten immer spezifischer (entweder Gemüsegarten, Obstgarten, Kräutergarten oder Ziergarten), eine Vermischung fand immer seltener statt. Besonders Patrone besaßen in ihren Häusern ein sonnendurchflutetes Atrium, in denen ihre Klienten warteten, hier war der geeignete Platz für Zierpflanzen, die von anderen bewundert werden konnten. Wie uns bekannt ist, war die Wasserversorgung im alten Rom in ihrer Wirkungsweise und Zuverlässigkeit eine Revolution. Wo zuverlässig mit geregelten Mengen Wasser gerechnet werden kann, ist es nur eine Frage der zeit bis sich Gärten entwickeln.



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In China besaßen die Gärten seit je her einen religiösen Aspekt, die Anordnung von Gärten erfolgt teilweise bis heute nach bestimmten Mustern. Sie sollen Spiegelbild des Universums sein, Bäume, Steine und Wasser sind zentrale Elemente in der Gestaltung. Der Anbau von Nutzpflanzen erfolgt zwar auch, steht aber hinter der ästhetischen Funktion des Gartens zurück.
Nicht unwichtig ist hierbei der Einfluss von Feng Shui, hier wird der Garten so gestaltet, dass positive Energie möglichst ungestört fließen kann, durch den Weg der Natur, deswegen sind Kurven und Ausgewogenheit in der Landschaftsanordnung (hoch-flach, hart-weich, dick-dünn, Erde-Wasser) sehr zentrale Elemente. Diese Gartenphilosophie greift in späterer Zeit auf Japan über. Der Gartenbau Chinas wird auch heute noch nach traditionellen Regeln durchgeführt und ist in vielen chinesischen Städten Touristenmagnet und Wohlfühloase.



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Mittelalter und Frühe Neuzeit

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Im Mittelalter sind die Klostergärten als wichtiger Schritt in der Gartenentwicklung zu nennen. Vorreiter waren die Gärten, die aus den umfassenden Reformen Karls des Großen hervorgegangen sind. Gärten waren Bestandteile von Wirtschaftshöfen, es kamen neue Obst- und Gemüsearten hinzu, zudem wurde verstärkt auf (Heil)Kräuter-Anbau gesetzt. Perfektioniert wurden diese aus der Antike übernommenen Grundlagen in den entstehenden Klostergärten des Mittelalters.
Im Kloster war es möglich, dass sich Menschen über einen langen Zeitraum hinweg intensiv mit Gartenarbeit beschäftigen konnten, unter anderen Umständen könnten wir von den ersten Berufsgärtnern sprechen. Mit der zeit wächst ihr Wissen über Pflanzen, sie verfeinern Anbautechniken, entwickeln Methoden zur Wachstumsförderung und sie halten ihr Wissen darüber fest. Es gab Stellen im Garten, die so angelegt waren, dass kein Regen dort fiel. Die verschiedenen Standorte (halbschattig, sonnig etc. ) wurden fester Bestandteil in der Anbaumethodik.
Mit der Zeit wurden die Vorzüge einer jeden Pflanze erkannt und festgehalten, die Heilkunde erfährt einen großen Schub durch die Klostergärten. Die Wasserversorgung war oft durch tiefe Brunnen gewährleistet. In unmittelbarer folgenden Zeit sollte es keinen bedeutenden Aufschwung in der Geschichte der Gärten geben.



Erst im Zeitalter des Absolutismus kommt ein neues und sehr kostspieliges Gartenmodell auf, der französische Garten. Das sind Großanlagen, teils symmetrisch, die nicht mehr viel mit der eigentlichen Bedeutung eines Gartens zu tun haben. Weitläufige grüne Areale, immer wieder unterbrochen von Bauten, Skulpturen, riesigen Wasserfontänen und Wasserspielen. Bäume werden reihenweise angeordnet. Herrscher, die es sich leisten können, besitzen äußerst seltene und exotische Pflanzen, die von langen Gräben abgetrennt sind. Der französische Garten ist sehr lang, allerdings nur bedingt breit, alles hat seine Ordnung, Nutzpflanzen sind nur selten zu finden.
Der Garten wir zu einer Begegnungs- und Feststätte für den Adel und die gehobene Gesellschaft. Der Rasen nimmt nun eine entscheidende Rolle ein. In seiner Funktion als grüner Teppich symbolisiert er die Größe des Gartens und die Gesundheit der Pflanzen. In Deutschland und anderen Teilen Europas finden wir solche Anlagen später auch. Die Größe des Garten spiegelt Größe und Macht des Herrschers wider.
Erst mit den Einflüssen der Aufklärung, des Naturalismus und später der Romantik etablierte sich der Landschaftsgarten. Er führt weg von geometrischen Großanlagen, hin zu dichterer Bepflanzung und Vielfalt, seinen Ursprung findet diese Bewegung in England. Bäume durften wieder etwas krumm wachsen, die Harmonie des Ganzen stand im Vordergrund, somit wurde weniger Stein oder Kies verwendet. Gemüse und Blumen fand hier allerdings nur selten Platz, es ging um die Bewahrung der natürlichen Beschaffenheit.



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Zeit Ort/Kultur Merkmale
ab 3000 v.Chr. Ägypten Grabstättengärten und Palastgärten mit Nutz- und Zierpflanzen. Sehr kleine, tiefer gelegene Parzellen für den Anbau von Gemüse. Parallell Weinbau. U.a. Anbau von Lauch, Zwiebel und Granatapfel.
ab 3000 v.Chr. China Keine großen Bereiche für Nutzpflanzen, Garten ist religiös ausgerichtet. Die gestaltete Landschaft muss fließen und und im Gleichgewicht sein. Arrangements von Erde, Steinen, Pflanzen, Wasser.
ab 1500 v.Chr. Orient (Babylonier, Assyrer) Baumgärten für die Erholung und zum Schutz vor Hitze. Anbau von Gemüse, sowie von Gewürzen und Duftpflanzen (Kümmel, Safran, Minze, Mohn).
ab 500 v.Chr. Persisches Reich Versinnlichung des Gartens als Erholungs- und Erfahrungsstätte. Vermehrter Anbau von Blumen und Obstbäumen. Ausschmückung mit Brunnenbauten, sowie kleinen Wasserspielen. Verwendung von für diese Zeit typischen Pflanzen (Aloe, Zypresse, Palme).
ab 500 v.Chr. Rom Vermehrter Anbau von Heilpflanzen und Kräutern. Atriumgärten, Innenhof dient teilweise als Ziergarten. Trennungen und Klassifizierungen von Gärten werden deutlicher (Gemüse, Obst, Zier, Kräuter).
ab 800 Mittel- und Westeuropa Klostergärten als Revolution, durch umfangreiches Studieren des Gartens und der Pflanzen können Wachstum und Anbau optimiert werden. Wissen wird an die Nachwelt weitergegeben. Enorme Fortschritte in der Pflanzenheilkunde.
ab 1500 Frankreich Der französische Garten ist eine sehr große Anlage von Rasen, geraden Reihen von Bäumen, Skulpturen, Fontänen, Steinwegen und Gräben. Symbol der Macht. Kaum Nutzpflanzen, weit überblickbar.
ab 1700 England Der Landschaftsgarten symbolisiert die Einheit mit der Natur, hier finden sich ebenfalls kaum Nutzpflanzen. Alles wächst wie es wächst, Bäume und Sträucher stehen im Mittelpunkt. Rückbesinnung auf das Ursprüngliche.


Gärten nehmen in heutiger Zeit immer noch, wenn auch nicht mehr in dem Maße wie früher, eine wichtige Rolle ein. Abgesehen von den unzähligen Gartenbaubetrieben, rückt der private Garten vermehrt in den Vordergrund. Die Gartenarbeit ist neben dem Sport das beliebteste Hobby der Deutschen, die Besitzer von Gartenanlagen gehen allerdings zurück, Zeitmangel und fehlendes Fachwissen sind die Hauptursachen.






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